Innovation ist riskant und teuer? Ja, wenn man sie aus klassischer Planungs-Logik heraus versteht. Nein, wenn man bereit ist, auf Entdeckungstour zu gehen. Das Erschließen unbekannten Terrains erfordert ein anderes Toolset als bisher, ist aber gleichermaßen planbar.
Ein häufiger Grund dafür, dass Innovationen scheitern, ist, dass sie aus der üblichen Businesslogik heraus verstanden und geplant werden. Nach dem Wasserfallmodell werden Anforderungen definiert, Pflichtenhefte erstellt, Entwürfe und Lösungen entwickelt, die dann implementiert werden. Bei der Überprüfung stellt sich dann häufig heraus, dass die Lösungen nicht den Anforderungen gerecht werden, für die sie konzipiert wurden. Die Kunden nehmen das neue Produkt nicht an, die Kollegen benutzen ihr neues mit allen Schikanen ausgestattetes IP Telefon weiterhin nur zum Telefonieren oder die Prozessinnovation wird mit zahlreichen Workarounds umgangen. Das ist umso ärgerlicher, da hier nicht selten Unsummen an Entwicklungskosten versenkt werden.
Wäre das mit einem Businessplan zu vermeiden gewesen? Nein, denn ebenso wie das Wasserfallmodell ist der Businessplan ein Tool, das in kalkulierbaren Umwelten großartig funktioniert, bei Innovationen jedoch seinen Dienst versagt: Niemand kann hier garantieren, dass die im Plan eingegebenen Daten korrekt sind und sich gemachte Prognosen bestätigen. Denn das Charakteristikum einer Innovation ist ja gerade, dass wir uns in noch nicht erschlossenes Gebiet begeben, das nicht von Planbarkeit und Sicherheit, sondern von Risiko geprägt ist. Dass der erhoffte Nutzen tatsächlich eintritt ist nicht garantiert. Vor diesem Hintergrund ist die Zurückhaltung gegenüber Innovationen also nur zu verständlich.
Dennoch wäre es noch riskanter, gänzlich auf Innovationen zu verzichten. Wie lassen sich also Nutzen und Risiko miteinander abwägen?
Ein Beispiel soll das für uns illustrieren: Ein Software-Unternehmen im Architekturumfeld durchläuft dabei einen iterativen Innovationsprozess von der ersten Idee bis zur Pilotreife.

 

optimieren_testen_auswerten_innovatioIdee entwicklen und Hypothesen aufstellen
Sie bemerken bei Ihren Kunden einen Trend, immer mehr in virtuellen Teams über Ortsgrenzen hinweg zu arbeiten. Dem wollen Sie mit Ihrer Innovationsidee Rechnung tragen. Was liegt näher, als eine App für das neue iPad Pro in den Markt bringen, die es ermöglicht, virtuell gemeinsam an Plänen zu arbeiten. Ihre Hypothesen sind:
1) Architekten haben eine Notwendigkeit genau das zu tun, und es wäre für sie eine große Arbeitserleichterung.
2) Architekten sind bereit, dafür 39 Euro zu bezahlen.
Nach konventioneller Wasserfall-Logik würden Sie sich jetzt an die Programmierung machen, und dann versuchen, die App in den Markt zu bringen.

 

Testen I
An dieser Stelle gehen Sie nun bereits anders vor. Sie fragen sich zunächst, ob die Hypothesen, auf denen Ihre Idee beruht, überhaupt stimmen. Dafür sprechen Sie zunächst mit zehn Ihrer vertrautesten Kunden. Sie erfahren dabei, dass während des eigentlichen Planungsprozesses wenig gemeinsame Arbeit an einem Plan notwendig ist. Wesentlich hilfreicher wäre es dagegen, bereits in der Entwurfsphase gemeinsam an Skizzen arbeiten zu können.

 

Auswerten und Optimieren I
Mit dieser neuen und wertvollen Information entwickeln Sie einen neuen Ansatz: Ein wesentlich weniger aufwendiges Konferenz-Tool zum gemeinsamen Skizzen Erstellen. Dabei fällt Ihnen auf, dass Sie damit auch ganz andere Kunden adressieren könnten (z.B. Agenturen, Projektteams, Consultants etc.)

 

Testen II
Sie schalten eine Landing Page mit einer kurzen Beschreibung der wichtigsten Nutzen der App und kreieren einen Screenshot, so als ob die App bereits existieren würde. Diese bewerben Sie bei den angedachten Zielgruppen (z.B. über Google Adwords). Sie laden Interessierte ein, Ihre E-Mail Adresse zu hinterlassen. Etwas 40% aller Besucher leisten dem Folge. Diese werden in einem zweiten Schritt gefragt, ob sie bereit wären, für eine solche App 100 Euro auszugeben. (Anmerkung: Die Nennung eines überhöhten Preises erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Interessierten preisgeben, was sie tatsächlich bereit sind zu bezahlen.) Von den Befragten halten Sie 40% für verrückt, 40% liegen in ihrem Preisvorschlag zwischen 20 und 80 Euro, und die restlichen 20% erkennen sofort den Nutzen für sich und fragen Sie, wohin sie das Geld überweisen können.

 

Auswerten und Optimieren II
Das Ergebnis dieses zweiten Tests ist für Sie so aufschlussreich, dass Sie eine Version 1.0 entwickeln. Denn bereits mit den 20%, die sofort kaufen wollten, hätten Sie ihre Entwicklungskosten mehr als reingeholt.
risiko_invest_innovatioDurch einfaches und kostengünstiges Testen haben Sie nicht nur verhindert, viel Aufwand und Geld in die Entwicklung eines Produktes zu stecken, das für ihre angedachte Zielgruppe so nicht nutzbar ist. Sie haben darüber hinaus für ein weniger aufwendiges Produkt auch noch einen ganz anderen Markt entdeckt. Das Entwicklungsrisiko ist nun soweit gesunken, dass es fahrlässig wäre, nicht zu investieren. Jetzt haben Sie wesentlich validere Annahmen, als zu Beginn des Prozesses und können auch einen hinreichend verlässlichen Businessplan erstellen.

 

Durch fortgesetztes Testen – Auswerten – Optimieren passen Sie Ihre Investition so an, dass sie zum Risiko passt.